Das Geld kommt als Kredit auf die Welt; der Zins lebt in ihm fort und wird bezahlt, wann immer wir Geld verwenden, nicht nur wenn wir persönlich Schuldner sind. Er ist gewissermassen die Steuer dafür, dass es das Geld der Banken überhaupt gibt; er versteckt sich in den Preisen der Güter und Dienstleistungen. Bei der Müllabfuhr sind es 18, beim Bier 38 und bei den Mieten im sozialen Wohnungsbau sind es 77 Prozent. Im Durchschnitt sind es 30 bis 35 Prozent, hat der deutsche Geldreformer Helmut Creutz ausgerechnet. Dieser Wert deckt sich in etwa mit den Berechnungen des französischen Ökonomen Thomas Piketty, der die langfristigen Kapitaleinkommen auf 25 bis 32 Prozent des Bruttosozialprodukts veranschlagt.

Was die Berechnung auch noch zeigt: Mit einem zinsfreien Geld könnten wir mit einem Drittel weniger Arbeit in etwa denselben Lebensstandard geniessen. Wird die Verschwendung, der Verlust und der Schaden dieses Systems mit nochmals einem Drittel veranschlagt, wird das enorme Potenzial der Geldreform erkennbar.

Um die Frage zu beantworten, ob der Zins für uns profitabel ist oder nicht, müssen wir nur die Zinskosten im Umfang von einem Drittel unserer Haushaltauslagen von den Zinseinnahmen abziehen, die wir Ende Jahr verbuchen. Rechenbeispiel: Wenn Sie 60 000 ausgeben und ein Vermögen von 200 000 besitzen, für das Sie 2 Prozent erhalten, bezahlen Sie 20 000 versteckten und beziehen 4000 offenen Zins. Saldo: minus 16 000.

Die nächste Frage lautet: Ab welchem Vermögen ist der Saldo positiv? Nur die reichsten rund zwölf Prozent der Bevölkerung mit einem Vermögen von mindestens zwei Millionen Fran-ken verzeichnen einen positiven Zinssaldo, alle anderen zahlen mehr Zins als sie einnehmen.

Unser Geldsystem wirkt somit als ein ständiger Umverteiler von den weniger Bemittelten zu den Reicheren bzw. von den Arbeitenden zu den Besitzenden. Das ist neben der Tatsache, dass Reiche viel weniger Steuern zahlen, der Hauptgrund für die wachsende Schere zwischen arm und reich. Thomas Piketty ist aufgrund der Auswertung von Daten seit rund 1800 denn auch zum Schluss gekommen, dass die Kapitalrendite konstant ein bis drei Prozentpunkte über dem Wirtschaftswachstum liegt. Die Vermögen steigen also im Vergleich zum Bruttoinlandprodukt, aus dem sie ihre Rendite erzielen, stetig an. Das ist ein Problem, selbst bei wertfreier Betrachtung dieser Umverteilung. Je grösser nämlich die Vermögen sind, desto mehr Druck müssen sie zur Erzielung einer Rendite ausüben. Der Druck äussert sich in sinkenden Löhnen, Verschlechterung der Produkte, Auslagerung von Arbeitsplätzen oder Umweltschäden, um nur einige Faktoren zu nennen. Die Rendite ist für die Werterhaltung des des Kreditgeldes essentiell. Sind die Renditen zu klein, werden keine Kredite mehr aufgenommen; die Kreditkette reisst und das das Kartenhaus fällt. Das ist eine Sackgasse ohne Notausgang, und wir nähern uns unaufhaltsam ihrem Ende.

Wie gross die Unterschiede zwischen reich und arm sein können, ohne zu Gewalt zu führen, ist eine offene Frage. Vor dem ersten Weltkrieg lagen die Vermögen in Europa beim Sechsfachen des Bruttosozialprodukts, aus dem sie ihre Profite erwirtschaften mussten. Die beiden Weltkriege haben die Unter-schiede dann nivelliert. Aber heute sind die Unterschiede wie-der so gross wie vor dem Ersten Weltkrieg, beileibe kein Grund für Optimismus, vor allem, weil die Rechtslage beim Geld so verworren ist, wie sie nur sein kann. Nicht das Recht wird in diesem Konflikt entscheiden, sondern die Macht. Das ist der Krieg zwischen arm und reich, von dem Warren Buffet, der drittreichste Mensch der Erde sagt, seine Klasse würde ihn gewinnen.

Fazit und Ausblick